Bohrloch Area 4

 

Die Idee, einzelne Dörfer mit Hilfe von Bohrlöchern mit einem Zugang zu sauberem Wasser zu versorgen, entstand aus den Ergebnissen der in den Dörfern durchgeführten Bedürfnisumfrage, die sich außerdem mit den Erkenntnissen der Schwestern aus den mobilen Kliniken deckte. Hier stellte sich heraus, dass viele Menschen ihr Trinkwasser aus den Flüssen holen, die auch als Waschplatz für Mensch, Tier, Wäsche und teilweise auch für Maschinen dienen und auch die Toilette für Mensch und Tier darstellen. Die Folge: Krankheiten, die bei sauberem Trinkwasser nicht aufträten. 

Um dem Abhilfe zu schaffen, sind Bohrungen bis zum Grundwasser ein gutes Mittel. Diese gewährleisten den Menschen einen Zugang zu sauberem Wasser, der zudem nicht versiegen wird. In dem kleinen Dorf Area 4 bei Ifetedo war der Bedarf besonders groß und wir wurden um Hilfe gebeten. Dank Spenden und Mitgliedsbeiträge überwiesen wir 2010 den erforderlichen Betrag und das Bohrvorhaben konnte in Angriff genommen werden. Auch wenn die lokale Politik uns erst einen Strich durch die Rechnung machte - es gab ein Machtgerangel um die Nachfolge eines verstorbenen Chiefs - konnte das Bauvorhaben kurz darauf erfolgreich abgeschlossen werden!

 

Die Wartung der Anlage obliegt den Dorfbewohnern. Die Schwestern stehen ihnen dabei beratend zur Seite.

 

Die Geschwister Afrikas finanzierten also den Zugang zu Trinkwasser für dieses Dorf! Ein toller Erfolg, denn wie uns die Schwestern, die das Dorf auch medizinisch versorgen, berichten, sind die Fälle der durch schlechtes Wasser hervorgerufenen Krankheiten deutlich zurück gegangen!

 

      

An den Wasserhähnen können die Dorfbewohner sich sauberes Wasser holen

 

 

Das Dorf Area 4 liegt sehr weit ab vom Schuss und viele der Menschen dort leben buchstäblich von der Hand in den Mund. Eigenes Geld für den Bau einer Brunnenanlage ist von ihnen nicht aufzubringen.

 

 

12. Juli 2016

Da steht doch noch etwas Schönes aus.... richtig! Die Bilder vom längst wieder funktionierenden Bohrloch in Area 4. Alle Bilder wurden gesichtet und eigentlich könnte gleich ein ganzes Album zu dem Thema hier gepostet werden. Aber: alles Quatsch! Dieses eine Bild sagt schon alles aus - sauberes Wasser sollte allen zugänglich sein! Für dieses Mädchen und viele andere ist es das zum Glück.


14. Juni 2016

Besuch in Area 4

Hello everyone. Heute gibt es einen nachdenklichen Eintrag, nachdem ich gestern in Area 4 war. In diesem abgelegenen Dorf (ein Weg ca. 2 Stunden und auf WAS für „Straßen“!!) hatten wir als unser erstes Projekt ein Bohrloch gefördert, damit die Menschen sauberes Wasser hätten und nicht mehr auf den Fluss zurück greifen müssten, um sich zu dort das mehr als dreckige Wasser zu holen.


Was soll ich sagen, als ich ankam, funktionierte das Bohrloch nicht. :( Wieder. Bei meinem letzten Besuch 2014 war es auch schon kaputt, wurde dann aber repariert. Bis vor Kurzem (ca. ein Monat) hat es offensichtlich funktioniert (die Schwestern hatten mir das immer wieder zurückgemeldet, nachdem sie Kontakt zum Dorf hatten). Im ersten Moment war ich einfach nur enttäuscht und… ja, sauer. Inzwischen gibt es zweiseitige Gefühle – denn einiges war auch auf der Habenseite zu finden, bzw. bietet zumindest eine Erklärung dafür, wie es dazu kommen konnte.

Auf jeden Fal habe ich den anwesenden Einwohnern in Area 4 eine echte Standpauke gehalten, weil sie sich nicht um den gesunden Wasserzugang gekümmert haben. Sie hätten die Schwestern – vllt. auch über Father Patrick – um Hilfe bitten müssen. Eigentlich war vereinbart, dass die Menschen vor Ort sich selbst um die Wartung des Bohrlochs kümmern sollten. Nun hat das „politische Establishment“ die Menschen aber im Stich gelassen. Deswegen habe ich ihnen gesagt, sie sollen sich melden, wenn etwas ist, wir würden ihnen dann finanziell aushelfen (das werde ich im Notfall einfach aus eigener Tasche zahlen). Ehrlich gesagt wäre es m.E. schon ein Gewinn, wenn diese Leute sich um Hilfe bemühen würden, wenn sie sie brauchen, sich aus ihrer Starre befereien. Nun habe ich ihnen ein Ultimatum gestellt. Wenn sie sich nicht kümmern und das Bohrloch noch einmal nicht funktionieren sollte, wenn ich wiederkomme, ist es aus mit unserer Hilfe. Das geht mir aus verschiedensten Gründen gegen den Strich, aber … na ja. Was meint ihr zu der ganzen Sache – eure Meinung ist mir mehr als willkommen!
Schaut euch mal meine Überlegungen an - ich freue mich auf Rückmeldungen gerne per Email an erstervorsitz.geschwisterafrikas@yahoo.de

Habenseite:
• Anders als beim letzten Mal haben sich die Menschen im Dorf offensichtlich zumindest im Rahmen ihrer Möglichkeiten direkt darum bemüht, das Problem zu beseitigen. Der Mechaniker, den sie aus dem nächsten Dorf heranschaffen konnten, war allerdings keine große Hilfe, weil er nur feststellen konnte, dass es NICHT am Generator lag.
• Sehr dankenswerterweise war der Priester aus Ifetedo – Father Patrick – mit uns dort. Er hat sich direkt ans Werk gemacht und mehr oder weniger das ganze Bohrloch auseinander genommen. Er hat den Fehler gefunden und schon auf dem Rückweg arrangiert, dass morgen jemand kommen und das Problem reparieren wird (die Kosten habe ich in unser aller Namen übernommen).
• Die Menschen in Area 4 brauchen uns mehr denn je (sie „Sollseite).
• Wir haben dieses Bohrloch dort anbringen lassen. Es hat schon jahrelang gute Dienste geleistet und kann es noch jahrelang tun.

Sollseite:

  • Auch diesmal haben die Gemeindemitglieder es nicht auf die Reihe bekommen, sich an die Schwestern zu wenden, um sich darum zu kümmern, dass Hilfe kommt. Der Verantwortliche hatte das Telefon verloren, auf dem die entsprechende Nummer gespeichert war (?!). Es ist keine Entschuldigung, aber ich fürchte, hier kommt wirklich auch ein Mentalitätsunterschied zum Tragen….
  • Leider leider – und das macht mich noch fuchsteufelswilder als der gerade genannte Punkt – gibt es innerhalb des Dorfes ein Machtgefälle. Die Menschen, die sich um das Bohrloch kümmern, scheinen nur die Christen der Gemeinde zu sein, die zudem zu einem Großteil noch dem Stamm der Igbo angehören. Die „politischen Führer“ des Dorfes kümmern sich nicht, weigern sich etwas beizutragen und wollen dann nur etwas von dem Wasser haben. Das war selbstverständlich anders abgesprochen im Vorfeld. Aber der „King“ von damals ist inzwischen tot und der aktuelle sitzt – warum auch immer – in Lagos, also weit weg. So spielen die Yoruba ihre Macht aus. Die Menschen, mit denen wir heute gesprochen haben, beklagen dazu noch, dass viele von ihnen ihre Farmen – die sie wohl oft gepachtet hatten – verloren hätten. Wie sie sich überhaupt ernähren? Sie versuchen, Jobs als Angestellte auf ihren alten Farmen zu bekommen und halten sich über Wasser.

 

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